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Erfahrung als großes Plus für die Gemeinde

Frank Seickel ist seit dem 1. Juni 2021 Pfarrer der evangelischen Burgkirchengemeinde in Ingelheim. Am 12. Juni wird er von Dekan Olliver Zobel in der Burgkirche in sein Amt eingeführt. Die Erfahrung, die der 60-jährige gebürtige Frankfurter in das lebendige Mittelzentrum am Rhein mitbringt, ist das große Plus dieses bescheiden auftretenden Mannes.

Er hat in seinem Pfarrer-Leben schon manches gesehen und erlebt, arbeitete im großstädtischen wie dörflichen Umfeld, als geschäftsführender Pfarrer in einer der wichtigsten Dresdner Innenstadtgemeinde mit 30 hauptamtlich Mitarbeitenden, als Vollzeit-Schulpfarrer in Pirna oder Pfarrer zweier ländlicher Gemeinden im Untertaunus. Frank Seickel ist seit dem 1. Juni 2021 Pfarrer der evangelischen Burgkirchengemeinde in Ingelheim. Am 12. Juni wird er von Dekan Olliver Zobel in der Burgkirche in sein Amt eingeführt.

DER RELIGIONSUNTERRICHT IN DER SCHULE BRACHTE IHN ZUM GLAUBEN

Die Erfahrung, die der 60-jährige gebürtige Frankfurter in das lebendige Mittelzentrum am Rhein mitbringt, ist das große Plus dieses bescheiden auftretenden Mannes. Aufgewachsen in einem eher kirchenfernen Elternhaus fand er über den Religionsunterricht zum Glauben, wusste schon mit 14 Jahren, dass er Pfarrer werden wollte. Über ein Austauschprogramm des Ökumenischen Jugenddienstes nahm er 1978 an einem von der evangelischen Kirche der DDR organisierten Jugendcamp in der Nähe Dresdens teil und lernte so seine spätere, erste Ehefrau kennen.

15 JAHRE PFARRER IN DER DRESDNER LUKASKIRCHENGEMEINDE

Sein Theologiestudium führte den jungen Mann dann nach Bethel, Marburg und Wien, wo er als Vikar auch seine ersten theologischen Gehversuche machte. Nach einem Stipendienaufenthalt in den USA und zwei Jahren als Pfarrvikar in der EKHN in Oberursel, zog es ihn, jetzt verheiratet und Vater von drei Söhnen, Anfang der 1990er Jahre in Deutschlands Osten, an die Lukaskirchengemeinde im Dresdner Universitätsviertel. Die Erfahrungen, die der junge Pfarrer hier sammelte, bieten ausreichend Stoff für ein Buch über die zeithistorischen Besonderheiten der Nachwendezeit in den neuen Bundesländern. Sie legten aber auch die Basis für viele organisatorische Fähigkeiten Seickels, die jetzt der Burgkirche zu Gute kommen werden, denn in Dresden leistete der heute in sich ruhende Theologe nicht nur organisatorische Aufbauarbeit, indem er mit seinem Mitarbeitendenteam kirchliche Meldesystem aufbaute, sondern auch viel Bildungsarbeit, indem er anspruchsvolle, kulturelle Veranstaltungen auf die Beine stellte. Denn sein Pfarrort, die Dresdner Lukaskirche, war als international gefragte Konzertstätte gleichzeitig auch Verpflichtung.  Das Gotteshaus wurde insbesondere zu DDR-Zeiten wochentags als Tonstudio, u. a. für Orchester-Aufnahmen mit Herbert von Karajan, genutzt. Die so im wahrsten Sinne des Wortes „eingespielten“ Gelder wurden für den Wiederaufbau und Unterhalt des Gebäudes genutzt. Um auf die Ansprüche seiner z. T. sehr an Bildung interessierten Gemeindeglieder einzugehen, organisierte Seickel z. B. für Jugendliche Silvester- und Sommerreisen, bei denen er seine guten Kontakte zu den verschiedensten Auslandsgemeinden nutzte und Aufenthalte in stillen Orten, wie Klöstern, mit Touren durch europäische Großstädte kombinierte.

ORGEL-KURZANDACHTEN UND TIERGESCHICHTENGOTTESDIENSTE

Nachdem Seickel aufgrund seiner Scheidung von seiner Dresdner Pfarrstelle nach 15 Jahren Abschied nehmen musste (die Sächsische Landeskirche toleriert bis heute keine geschiedenen Pfarrer), wurde die Einführung innovativer Ideen wie besonderer bei Gottesdienst- und Andachtsformate für ihn zu einem besonderen Anliegen. Im sächsischen Pirna vorübergehend hauptamtlicher Schulpfarrer, wirkte er bei der „Mittagsrast“, Orgel-Kurzandachten zur Mittagszeit. An seiner jüngsten Wirkungsstätte, den Kirchengemeinden Kemel und Springen führte er das generationenübergreifende Format der „Tiergeschichtengottesdienste“, an dem sich auch Kinder rege beteiligen können, und Freiluftgottesdienste sind dem Theologen, dessen besondere Leidenschaft das Predigen ist, ein besonderes Anliegen.

„GEMEINDEKOOPERATIONEN WERDEN NEUE SCHÄTZE ANS TAGESLICHT FÖRDERN“

Seine über 30-jährige Erfahrung im Pfarrberuf bringt es mit sich, dass der bescheiden gebliebene Mann sein theologisches Wissen um so manche Zusatzkenntisse erweitert hat. So absolvierte er sein Spezialvikariat beim Evangelischen Presseverband und beim Österreichischen Rundfunk, was sich u. a. in seinem Faible für einen inhaltlich abwechslungsreichen, gut lesbaren Gemeindebrief niederschlägt. Seickel verfügt über zusätzliche Kenntnisse in klinischer Seelsorge und ist Mentor für die Pfarrvikars-Ausbildung. Das angesichts sinkender Mitgliederzahlen mittlerweile viele Bereiche des kirchlichen Lebens dominierende Thema des „Sparen-Müssens“ hat den Pfarrer seine gesamte Laufbahn hindurch begleitet. Der Umgang mit knapper werdenden Ressourcen empfindet er eher als eine Herausforderung. Aus Erfahrung z. B. während seiner Zeit als Pfarrer der kleinen reformierten Diasporakirche Österreichs weiß er, „wenn Christen eine qualifizierte Minderheit sind, schadet ihnen das nicht unbedingt. Es gibt noch immer sehr viele Möglichkeiten, die nicht optimal genutzt werden. Auch und gerade die Notwendigkeit der Kooperation in der Region kann ganz neue Schätze ans Tageslicht fördern.“ Seickel, der mittlerweile mit seiner zweiten Frau in das Ober-Ingelheimer Pfarrhaus der Burgkirche wohnt, fühlt sich schon recht wohl an seiner neuen von Weinbergen umgebenen Wirkungsstätte.

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